Grundeinkommen für Kinder die Hälfte?

Das bedingungslose Grundeinkommen soll jedem Mitglied in der Gesellschaft bedingungslos ausgezahlt werden, in existenz- und teilhabesichernder Höhe sein, einen individuellen Rechtsanspruch darstellen und keine Gegenleistung wie z.B. Arbeitsbereitschaft verlangen.

So in etwa lautet die Definition des BGE. Leider bleiben danach noch einige Fragen offen. Mit einer davon möchte ich mich an dieser Stelle befassen: Wie ist das mit einem Grundeinkommen für Kinder?

Das Spektrum der BGE-Modelle ist da sehr weit. Am einen Ende wird gefordert, dass das BGE für alle von der Wiege bis zur Bahre die selbe Höhe haben sollte. Im anderen Extrem liegt aktuell Richard David Precht mit seiner Forderung, dass Menschen unter 21 Jahren gar kein Grundeinkommen erhalten sollen und auch kein Kindergeld mehr.

(Quelle: Philosophie Magazin Nr. 5/ 2018/ Seite 61)

Ist Geld zur Geburtenregulation geeignet?

Es stellt sich die Frage danach, ob durch staatliche finanzielle Zuwendungen die Nachwuchsrate in einer Gesellschaft beeinflusst werden kann. Die Bundesregierung scheint davon auszugehen, sonst gäbe es nicht eine unüberblickbare Fülle von Familienförderungen durch den Staat. Aber werden deswegen wirklich mehr Kinder geboren?

Die Beobachtung, dass in ärmeren Ländern mehr Kinder geboren werden als in reicheren Ländern, legt das Gegenteil nahe. Da geht zunehmender Wohlstand regelmäßig mit weniger Kindern einher. Aber was ist hier Ursache, was Wirkung?

Auch innerhalb einer Gesellschaft sind die Double-Income-No-Kids die Wohlhabenden. Logisch, sie haben mehr Zeit zum Arbeiten und gleichzeitig geringere Kosten. Kinderlosigkeit stellt aber nicht nur den Generationenvertrag der Rente in Frage, sondern letztendlich auch die Zukunft der Gesellschaft.

Auch international wird die demographische Entwicklung mit weniger Kindern und mehr Erwachsenen mit steigendem Wirtschaftswachstum in Verbindung gebracht. Aber ist das ein Indiz dafür, dass Armut Kinder fördert, dafür dass weniger Kinder mehr Reichtum ermöglichen, oder hat das eine mit dem anderen gar nichts zu tun?

RD Precht sagte auf der Phil.cologne, er möchte nicht, dass jemand ohne Erwerbsperspektive 5 Kinder bekommt. Das heißt im Klartext, Arme sollen keine Kinder haben. Solche Ansichten gab es in der Feudalzeit auch schon. Auch dort durfte man erst eine Familie gründen, wenn man sie auch ernähren konnte. Aber ist das noch zeitgemäß?

Kinderwunsch hängt nicht vom Geld ab

Ich stelle die These auf, dass der Kinderwunsch insgesamt nur sehr wenig durch finanzielle Faktoren beeinflusst wird. Das mag im Einzelfall anders sein, im Mittel aber nicht. Das heißt aber dann auch, dass die Politik Menschen nicht durch Geld dazu bringen kann, mehr Kinder zu bekommen, durch drohende Armut aber auch nicht davon abhalten wird.

Dann folgt daraus, dass politisch nur beeinflussbar ist, ob die Kinder, die es gibt, in Armut aufwachsen oder nicht und wieviel Chancengleichheit wir Kindern zur Verfügung stellen, auch durch Ausgleich der finanziellen Bedingungen im Elternhaus.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der kein Kind in Armut aufwachsen muss. Ein Grundeinkommen für Kinder gibt die Chance dazu. Ein Kindergrundeinkommen schützt nicht vor Eltern, die ihre Kinder schlecht behandeln. Und es kann auch angeborene Vor- und Nachteile nicht ausgleichen. Aber es ist eine Basis, eine Chance für alle Eltern, ihre Kinder auch materiell zu versorgen.

Es gibt auch ganz nüchterne Gründe, Kinderarmut zu verhindern. Es hat sich gezeigt, dass es langfristig nicht nur soziokulturell günstiger ist, in Kinder zu investieren, sondern auch ökonomisch. Denn Kinderarmut erzeugt langfristig Probleme, die dann auch wieder von der Gesellschaft getragen und bezahlt werden müssen.

Wie hoch sollte ein Grundeinkommen für Kinder sein?

Erstmal soll es die Existenz sichern, dafür hat der Bundestag ein eigenes Existenzminimum für Kinder berechnet: 7.248 Euro im Jahr 2018, das entspricht ca. 600 Euro im Monat. Das Statistische Bundesamt liefert ähnliche Zahlen. Hier wird geschätzt, dass für die Versorgung eines Kindes bis zum 18. Lebensjahr insgesamt etwa 130.000 Euro ausgegeben werden. Auch hier ergibt sich eine Summe von ca. 600 Euro monatlich. Schon erschreckend, wenn man feststellt, dass für Kinder in Deutschland im Schnitt nur das Existenzminimum ausgegeben wird.

Im Vergleich dazu beträgt das Existenzminimum für Erwachsene 9.000 Euro im Jahr 2018, also monatlich 750 Euro. Möchte man alle Aspekte der Teilhabe sicherstellen, muss die Summe höher sein, für Erwachsene genauso wie für Kinder. Ein Grundeinkommen, das sich an der Armutsrisikogrenze orientiert, beträgt 2018 ca 1.170 Euro. Wenn das Kindergrundeinkommen ebenfalls 80% betragen soll, so wie das Verhältnis der Existenzminima heute, wären es dann 936 Euro für Kinder.

Die meisten BGE-Modelle gehen freilich von geringeren Zahlungen für Kinder aus. Meist wird dies damit begründet, dass Kinder keinen eigenen Haushalt führen müssten. Das stimmt zwar, an anderer Stelle entstehen aber durch Bildung und Wachstum deutlich höhere Kosten. Oder haben Sie schon mal versucht, einem Kind die Winterschuhe vom letzten Jahr noch mal anzuziehen?

Deswegen wäre ich dafür, mindestens die heutigen 80% auch in Zukunft fortzuführen. Durch mehr Kinder wird es auch nicht billiger, sondern wer mehr Kinder hat, muss bislang mehr sparen. Kinderreichtum führt auch hierzulande schnell zu Armut. Alternativ könnte man natürlich auch Kindern von Geburt an das gleiche BGE zahlen wie allen anderen.

Laut Definition soll das Grundeinkommen eigentlich einen individuellen Rechtsanspruch darstellen. Trotzdem macht es keinen Sinn, einem Neugeborenen Geld zur eigenen Verfügung zu geben. Deswegen sollte es zunächst in voller Höhe an die Eltern ausgezahlt werden, so wie heute das Kindergeld, und dann schrittweise mit der Entwicklung des Heranwachsenden ein größer werdender Teil an denjenigen direkt.

 

3 Gedanken zu „Grundeinkommen für Kinder die Hälfte?“

  1. Kinder sollten m.E. zwingend ein BGE in voller Höhe erhalten. Erstens ist es fraglich, ob Kinder wirklich billiger sind, zweitens wird dadurch das BGE unnötig kompliziert. Da es über das BGE und seine Höhe regelmäßige Volksabstimmungen geben muss (siehe https://blog.baukje.de/machtumverteilung-durchs-grundeinkommen/#comment-998), sollte eine Staffelung des BGE nach Alter möglichst unterbleiben bzw. müsste sehr gut begründet werden.
    Ich habe bisher noch kein Argument gehört, dass stark genug wäre von dieser Forderung (nach einem einheitlichen BGE für alle) abzugehen.

  2. Auch wenn man statistisch ermittelt haben will, dass Kinder ein bischen weniger brauchen als Erwachsene, habe ich große Probleme damit, die jeweilige Höhe (wie auch einen Nicht-Bezug) des Grundeinkommens mit dem Alter der Person zu begründen. Genauso könnte man dann auch wieder begründen, dass man im Seniorenalter weniger braucht oder in beliebigen Lebensaltern, in denen man keine Arbeit/Familie hat… Und der Witz am Grundeinkommen ist ja gerade, dass für ausnahmslos jeden Bürger gesorgt sein soll. Wenn von Eltern erwartet wird, ihr eigenes Grundeinkommen zu kannibalisieren, um ihre Kinder davon zu versorgen, ist dieses Prinzip aber grob verletzt.

    Interessanter ist da der Ansatz des Hineinwachsens ins Grundeinkommen (und ich bilde mir ein, dass ich diesen vor einiger Zeit auch mal von Precht gehört hatte). Also jeder Grundeinkommensemfänger bekommt nicht ab dem 1. Tag die volle Höhe, sondern als Neuling im BGE-System fängt man mit einem kleinen Betrag an, der über 10-20 Jahre auf die volle Höhe anwächst. Das muss kein ganz lineares oder gleichmäßiges Anwachsen sein, aber eben für Neugeborene als auch für erwachsene Eingebürgerte gleich. Und genau das könnte auch der Modus der allgemeinen Einführung des BGEs sein.

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