Mein Wunschzettel

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Ich wünsche mir in einer Gesellschaft zu leben, in der sozialer Friede herrscht. In der ich mich nachts alleine auf die Straße trauen kann, in der ich keine Gitter vor den Fenstern brauche und meine Kinder draußen spielen können. Ich wünsche mir, dass all dies auch ohne drastische Maßnahmen der sogenannten inneren Sicherheit möglich ist, ohne Überwachung im Internet oder per Kameras und ohne ständige Polizeipräsenz. Dafür brauchen wir soziale Gerechtigkeit, denn die ist das wirksamste Mittel gegen Kriminalität. 

Ich wünsche mir in einer Gesellschaft zu leben mit einem hohen soziokulturellen Standard. Eine Gesellschaft, die offen ist für Innovationen und Kreativität, für Kultur und Vielfalt. Eine in der es Chancengleichheit für alle gibt. Auch wenn wir die persönlichen Voraussetzungen nicht beeinflussen können, sollte jeder die Möglichkeit haben, sein eigenes Potenzial voll zu entfalten. Dafür muss die Existenz eines jeden bedingungslos gesichert sein, dafür muss Zugang zu Bildung, Kultur und Mobilität für jeden verfügbar sein.

Ich wünsche mir in einer Gesellschaft zu leben, die die Würde jedes Einzelnen respektiert. Niemand soll Flaschen sammeln müssen, niemand soll gezwungen sein, sich vor Ämtern zu erniedrigen und um Almosen betteln müssen. Der Wert einer Gesellschaft misst sich daran, wie mit den Schwächsten umgegangen wird, nicht daran, wie hoch das Bruttosozialprodukt ist. Dafür brauchen wir ein Grundeinkommen, denn es ist das wirksamste Mittel gegen Armut.

Ich wünsche mir in einer Gesellschaft zu leben, in der alle ein Bedingungsloses Grundeinkommen bekommen. Eines das Existenz, Würde und Teilhabe sichert. Das individuell und recht-sicher gezahlt wird, ohne Prüfung von Einkommen, Vermögen oder Bedarfsgemeinschaften. Eines das keine Gegenleistung erfordert, weder in Form von Erwerbsarbeit noch in irgendeiner anderen. Leistungen sollen sich lohnen, jeder der etwas leistet soll mehr haben als jemand der nichts leistet, egal ob das in Geld oder anderen Formen der Anerkennung geschieht. Aber keiner sollte, auch ohne Leistung, unterhalb des Niveaus des Grundeinkommens sinken müssen. Weder durch Ungehorsam (mit Sanktionen) noch durch besondere Bedarfe (wie zum Beispiel bei Behinderung).

Wie sich das politisch tatsächlich realisieren lässt, weiß ich leider noch nicht und an den Weihnachtsmann glaube ich auch nicht. Aber eines weiß ich, mit den Fragen nach Egoismus oder Altruismus, Arm oder Reich, Links oder Liberal, Alt oder Jung, Gesund oder Krank hat es nichts zu tun. Denn selbst wenn vielleicht durch ein Grundeinkommen auf meinem eigenen Konto am Ende weniger Netto sein sollte, steigt meine Lebensqualität trotzdem. Bei einem Grundeinkommen geht es jedem einzelnen gut, unter anderem dadurch, dass es auch allen anderen gut geht.

2 Kommentare

  1. Ein sehr guter Wunschzettel, von dem man nur hoffen kann, dass sich vieles davon erfüllt. Wir müssen dazu nicht auf den Weihnachtsmann warten. Die Probleme unserer Gesellschaft sind menschengemachte. Nur die Menschen können sie angehen und beseitigen. Rücksichtsvoll und respektvoll. Wir können uns täglich selbst ein wenig überraschen.

  2. 1993 war ich zum ersten Mal in Havanna um an der Uni von Havanna Spanisch zu lernen. Das war die sogenannt “periodico especial” in der große Armut herrschte und nachts keine Staßenlaternen leuchteten, weil die Energie dafür nicht finanzierbar war …
    Im Dezember bin ich nach einem Konzert in stockfinsterer Nacht ohne Mond durch die Innenstadt von Havanna ohne Angst, aber mit extremer Aufmerksamkeit und Achtsamkeit 5 km durch die Dunkelheit zwischen spielenden Kindern hindurch zu Fuß nach Hause gegangen. Niemand hatte Angst vor mit und ich hatte vor niemandem Angst …
    Es gab keine Kameras nur ein paar junge Staßenpolizisten aus der Province, die aber in der Dunkelheit auch nicht viel sehen konnten.
    So weit ich mich erinnern kann, gab es weder Körperverletzungen noch Diebstahl nur Kindergeschrei und das typische cubanische Erwachsenengeschrein 🙂
    Alle fühlten sich sicher, vielleicht weil sie nichts zu verlieren hatten oder ???
    LG
    – Chaitanya –

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