Häufige Irrtümer und Missverständnisse beim BGE – Inflation

Veröffentlicht von

„Mit einem Grundeinkommen steigt die Inflation”

Inflation entsteht, wenn die Geldmenge steigt oder die Gütermenge zurück geht. Solange sich durch ein Grundeinkommen an beidem nichts ändert, entsteht auch keine Inflation. Eine Finanzierung durch Geld drucken wäre allerdings nicht nachhaltig. Das Geld für das Grundeinkommen muss immer an anderer Stelle eingenommen werden. Sei es durch Spenden wie bei „Mein Grundeinkommen“ oder auch durch Steuern oder Abgaben von staatlicher Seite.

Ausnahme: Eine Ausschüttung von neu gedrucktem, zusätzlich von der EZB geschaffenem Geld könnte das Ziel haben, kurzfristig die Inflation zu steigern oder einer Deflation entgegenzuwirken. Allerdings ist das dann als einmalige Maßnahme gedacht und nicht mit einem dauerhaften Grundeinkommen zu vergleichen.

Die eigentliche Frage, die sich hier stellt, ist die Höhe des Grundeinkommens im Vergleich zu dem, was man davon kaufen kann. Dabei gilt es, die unterschiedlichen vorgeschlagenen Höhen sauber voneinander zu unterscheiden. Da sich durch verschiedene Steuerveränderungen auch die Preise ändern würden, sind konkrete Zahlen nur im Gesamtkontext zu verstehen und meistens nicht vergleichbar.

Bildquelle: http://www.thebluediamondgallery.com/typewriter/i/inflation.html

9 Kommentare

  1. Nur weil der Staat an jeden Einzelnen Geld verschenkt, ändert sich doch nichts an der Wirtschaftsleistung.
    Die Folge ist: Die Nachfrage steigt, infolgedessen steigen die Preise —> Inflation
    Oder anders ausgedrückt: das durchschnittliche Preisniveau steigt um den Betrag des monatlichen BGE.
    Wenn durch den Staat (Steuern und Abgaben) große Geldmengen dem Geldkreislauf entnommen werden, nicht ausgegeben werden und somit dem Verbraucher-Markt nicht zur Verfügung steht, hat dies einen deflationären Effekt. Umgekehrt gilt natürlich: öffnet der Staat die Schleusen seines Geldspeichers für den Privatkonsum jedes Einzelnen (BGE), wirkt dies auf dem Markt des Verbrauchers inflationär.

    Außerdem:
    Wenn das BGE eingeführt und alle anderen staatlichen Sozialleistungen gestrichten werden würden (um die Staatskosten auch durch Bürokratieabbau radikal zu senken), wäre es im Endeffekt doch genau das Gleiche, wie wenn man ohne BGE einfach alle staatlichen Sozialleistungen streicht.

    Denn die ersten 1000€ (Beispielbetrag für BGE), die dann am Monatsende auf das Konto gutgeschrieben werden würden, wären quasi wertlos.
    Geld (beddruckte Papierscheine) ist nichts anderes als eine Ware, welches aufgrund seiner physischen Eigenschaften (Teilbarkeit, Mobilität) als Tauschmittel und nur als das genutzt wird –> und wie bei jeder Ware gilt: Was nichts kostet, ist auch nichts wert (–> die wertlosen BGE-1000er). Geld ist nur etwas wert wenn es knapp ist und nicht wenn es JEDER geschenkt bekommt.
    Den Reichen ist das BGE ziemlich egal, die Abschaffung des Wohlfahrtsstaates bis auf das BGE wäre aber für die sozial Benachteiligten eine Katastrophe. Massenverelendung nie dagewesenen Ausmaßes wären die Folge.

    1. Ich stimme mit deiner Ausführung fast überein, aber in einem Detail nicht. Und zwar stellst du es so dar, als würden die 1000 € BGE einfach wertlos werden: Statt 1000 € wären sie 0 € wert. Allerdings kann man dem Geld ja nicht ansehen, ob es mal BGE war oder nicht. Deshalb würde der Logik zufolge Geld generell gar nichts mehr wert sein. Der Wert des Euros würde auf 0 fallen (was natürlich auch den Reichen nicht egal wäre). Und das wird natürlich nicht passieren – auf exakt 0 fällt der Wert nur, wenn unendlich Geld da ist (und so weit geht das BGE ja nicht).

      Das BGE führt tatsächlich zu einer leichten Umverteilung: Denn auf 0 kann der Geldwert nicht sinken. Er wird um einen Faktor abnehmen müssen. Das BGE erhöht das Einkommen aber nicht um einen Faktor, sondern um einen festen Betrag.

      Dass das BGE zu einer Inflation führen wird, ist klar: Das BGE wird wahrscheinlich vor allem dazu führen, dass arme Leute sich die Dinge leisten wollen, die bei einem höheren Lebensstandard selbstverständlich sind. Das sind eben oft Dinge, die knapp sind – wie z. B. Bio-Lebensmittel, die gar nicht in den Mengen hergestellt werden können wie in der industriellen Landwirtschaft. Also wird man die Leute nicht damit versorgen können, die Preise steigen. Und zwar genau so hoch, dass sich nur noch die Menge der Leute, die damit versorgt werden kann, Bio-Lebensmittel leisten kann.

      Es ist aber ein Unterschied, ob alles um einen Faktor teurer wird, oder ob jeder um einen Festbetrag mehr Geld kriegt. Waren und Dienstleistungen können im Mittel eigentlich nur um einen Faktor teuer werden. Und ein Faktor und ein Festbetrag können sich mathematisch nicht ausgleichen. Es ändert also etwas an der Verteilung.

      Wir wissen ja: Die Waren können nicht so teuer werden, dass die 1000 € gar nichts mehr wert sind (dafür müssten sie unendlich teuer werden). Wenn wir davon ausgehen, dass zumindest die nicht-superreichen Leute ihr Einkommen überwiegend für Waren und Dienstleistungen ausgeben, wird ab einem bestimmten Einkommen der Punkt kommen, wo die Preiserhöhung durch die Inflation, die sie bezahlen müssen, die 1000 €, die sie als BGE bekommen, übersteigt.

      Diese Leute können sich dann nicht mehr den bisherigen Lebensstandard leisten. Dadurch würde sich die Nachfrage an dieser Stelle reduzieren. Wenn man Glück hat, würden quasi hier durch die Reduzierung des Lebensstandards Waren und Dienstleistungen übrig bleiben, die dann von den ärmeren konsumiert werden würden, die ja mit den 1000 € mehr Einkommenssteigerung hätten, als die Preiserhöhung der Waren die sie sich davon leisten können maximal ist.

      Die Inflation ist also ein zentrales Umverteilungsinstrument beim BGE.

      Ob die ärmere Bevölkerung positiv oder nur weniger negativ betroffen sein wird, hängt davon ab, wir stark sich das Angebot insgesamt dadurch verknappen wird, dass Arbeit für den Lebensunterhalt (gefühlt) weniger notwendig wird.

      Denn das Gemeine an der Sache ist: Für den Einzelnen wird es sich so anfühlen, als könnte man weniger arbeiten, aber hätte trotzdem den gleichen Lebensstandard. Wenn das aber alle machen, verschlechtert sich der Lebensstandard für alle. Nur sind diese zwei Sachen gefühlt nicht miteinander verknüpft: Niemand macht die Entscheidung, ob er mehr arbeitet oder nicht, davon abhängig, was das für eine Auswirkung auf die Allgemeinheit und damit wieder mittelbar für ihn selbst hat. Aber natürlich führt die Tatsache, dass insgesamt weniger gearbeitet wird, dazu, dass alle weniger haben. Bzw. das betrifft natürlich nur Unter- und Mittelschicht, Superreiche können sich sowieso alles leisten, was sie wollen.

      Superreiche werden also vom BGE nicht betroffen sein (die haben eh ein Vielfaches des Gelds das sie ausgeben), arme werden am wenigsten oder sogar positiv betroffen sein, und die (obere) Mittelschicht (also die, die nicht ganz arm sind, aber noch den Großteil ihres Einkommens ausgeben) muss ihren Lebensstandard beim BGE definitiv nach unten schrauben.

      Meine Einschätzung dazu: Wenn Maschinen die Arbeit von Menschen so weit ersetzen, dass unangenehme menschliche Arbeit für die Bereitstellung des Warenangebots nicht mehr notwendig ist, dann würde das BGE den Lebensstandard der armen Bevölkerung immerhin nicht mehr verschlechtern. Dann könnte es als Umverteilungsmechanismus des Wohlstands der Mittelschicht hin zur Unterschicht fungieren. Das Problem der übermächtigen Superreichen würde nicht tangiert werden.

  2. „Inflation entsteht, wenn die Geldmenge steigt oder die Gütermenge zurück geht. “

    Richtig! Und es wird beides eintreten:

    Wenn das BGE finanziert wird durch höhere Besteuerung der Reichen z.b. durch Vermögenssteuer, wird die im Umlauf befindliche Geldmenge gesteigert.

    Anfangs (solange die Inflation noch nicht gezogen hat) haben die ärmeren Bürger mehr Geld zu Verfügung, welches sie erfahrungsgemäß direkt ausgeben. Die Güter werden knapper weil mehr eingekauft wird.

  3. Nur dadurch, dass die Menge an Geld, die irgendwo existiert, steigt, entsteht keine Inflation. Wenn ein Bäcker seine Brötchenpreise macht, rechnet er nicht aus, wie viel Geld Dagobert Duck im Geldspeicher hat und welchen Einfluss das auf den Wert des Euro hat – er schaut, wie viele Brötchen er hat, und wie oft Leute vorbeikommen und sie kaufen. Wenn er zu viele Brötchen hat, macht er sie billig, damit er möglichst viele los wird, wenn hingegen dauernd Leute kommen und Brötchen wollen und nach 10 Minuten schon alle weg sind, macht er sie lieber teurer.

    Letzteres passiert bei Inflation: Die entsteht nicht dadurch, dass Dagobert Duck viel Geld im Geldspeicher hat. Würde der Staat Geld Drucken und es Dagobert Duck geben, der nur knausert, würde es keinen Einfluss auf die Preise haben. Die Inflation entsteht dadurch, dass die Leute, die ihr Geld auch ausgeben, mehr Geld haben, wodurch die Nachfrage steigt, und damit die Preise. Und genau das könnte beim BGE passieren.

    Man müsste also ausführlich analysieren, wofür die Leute, die ihr BGE bekommen, das Geld ausgeben. Sind das Wirtschaftsbereiche, die gut mit steigender Nachfrage umgehen können und entsprechend skalieren? Wenn der Bäcker einen Brötchomat 3000 im Keller hat, mit dem er so viele Brötchen drucken kann wie der Staat Geld druckt, entsteht selbst dann keine Inflation, wenn der Staat Geld druckt (zumindest nicht bei den Brötchenpreisen).

    Das schwierigste daran dürfte sein, dass es mit einer Wirtschaftshandlung nicht zuende ist: Nehmen wir an, die BGE-Empfänger geben ihr Geld in einem Bereich aus der gut skaliert – der Bäcker mit seinem Brötchomat 3000. Dann hat plötzlich die gut skalierende Brötchenfirma viel mehr Geld. Und was macht sie damit? Vielleicht kauft sie sich davon ganz viel Gold? Das wäre nicht gut, denn Gold ist sehr begrenzt und man kann es nicht einfach schöpfen wenn die Nachfrage steigt. Es könnte also da noch viele Implikationen geben.

    BGE würde dann funktionieren, wenn die Nachfrage nur in Bereichen steigt, die gut skalieren, und dann auch die Unternehmen in diesen Bereichen ihr Geld entweder nur in Bereichen ausgeben, die gut skalieren, oder das Geld horten, oder man das Geld dort per Steuer wieder absaugen würde, bevor sie es in einem Wirtschaftssektor ausgeben, der die Nachfrage nicht decken kann.

    1. Es ist keineswegs gesagt, dass die Nachfrage insgesamt überhaupt steigt. Es könnte sein, dass in manchen Bereichen die Nachfrage steigt, wenn Armut reduziert wird. Die meisten Menschen werden aber mit einem Grundeinkommen insgesamt nicht mehr Geld in der Tasche haben, sondern ihr Geld nur aus zwei verschiedenen Quellen bekommen: Einen Teil als Grundeinkommen vom Staat und einen (geringeren) Teil vom Arbeitgeber. Insgesamt wird es schwierig sein, die verschiedenen Wechselwirkungen vorab zuverlässig zu simulieren. Besser wäre es, sich Schrittweise in Richtung Grundeinkommen zu bewegen und währenddessen verschiedene Stellschrauben (zB Steuern) zu haben, mit denen auf die tatsächliche Entwicklung reagiert werden kann.

      1. Das schreibe ich ja: Es ist nicht gesagt und müsste analysiert werden. Die Frage ist: Wenn die Nachfrage bei den armen steigt, wo sinkt sie? Reiche geben ihr Geld eh nicht aus, wenn die höher besteuert werden, wird das kaum groß zu Reduzierung der Nachfrage führen.

        Mit meinem Beitrag wollte ich allerdings vor allem aussagen, dass die „Nachfrage insgesamt“ überhaupt nicht entscheidend ist. Man muss das ganze differenzierter betrachten: Wenn die Nachfrage in einem Bereich steigt, kann das zu einer Inflation in genau dem Bereich führen. Es sei denn, der Bereich skaliert mit der Nachfrage. Aber selbst das heißt nicht, das alles gut ist: Denn durch die erhöhten Umsätze und Ausgaben der Unternehmen in diesem Bereich, der für sich gut skaliert und keine Inflation verursacht, könnte es zu noch mehr Nachfrage in anderen Bereichen kommen, die nicht gut skalieren (mein Beispiel im letzten Beitrag war Gold, in echt könnte es irgendwas anderes sein). Das müsste man IMHO alles gründlich analysieren und erforschen, bevor man die Sorge um die Inflation als „Irrtum“ abtun kann.

        1. Ein Irrtum ist es, wenn man denkt, dass das Grundeinkommen aus dem Nichts kommt und die Nachfrage „um das Grundeinkommen“ steigt.

          Jede Maßnahme die Nachfragesteigernd wirkt trägt zum Wirtschaftswachstum bei, das ist bisher gerne so gewollt. Das gilt das für eine Erhöhung des Mindestlohns genauso wie für eine Erhöhung der Grundsicherung oder auch eine Steuerreduzierung. Das Grundeinkommen ist da nicht anders

          1. Nachfrage sorgt nicht einfach für Wirtschaftswachstum.

            Im Gegenteil: Das Wirtschaftswachstum ist ja überhaupt nur gewollt, um die Nachfrage zu befriedigen. Ohne Nachfrage bräuchten wir überhaupt gar keine Wirtschaft.

            Höhere Nachfrage erhöht die Notwendigkeit für Wirtschaftswachstum. Wirtschaftswachstum gibt es nur, wenn beides steigt: Angebot und Nachfrage. Wenn es mehr Nachfrage gibt, wird sich natürlich im Optimalfall irgendjemand (hoffentlich) darum kümmern, dass das das Angebot erhöht wird und das Wirtschaftswachstum eintritt, denn sonst haben wir ein Problem.

            Nur sind die Möglichkeiten hier eben begrenzt: Man kann nicht einfach mal eben von allem das Angebot erhöhen. Bei begrenzten Rohstoffen wie Öl oder so geht das schon mal gar nicht. Bei den meisten anderen Gütern ist dafür Arbeitskraft notwendig.

            Deswegen werden ja auch so selten die Steuern von Bevölkerungsgruppen gesenkt, die konsumieren. Dann würde sich nämlich die Nachfrage erhöhen, und das wäre gar nicht gut. Stattdessen werden häufiger die Steuern für Unternehmen oder Investoren gesenkt. Die Idee dahinter ist, dass man hofft, dass die in Produktionsmittel, Gehälter etc. investieren – das steigert zwar kurzfristig die Nachfrage nach Produktionsmitteln und Arbeitskraft (schlecht) aber langfristig das Angebot (gut).

            Wenn jede Maßnahme die nachfragesteigernd wirkt, zum Wirtschaftswachstum beitragen würde, dann wär der Hartz-IV-Satz nicht so kümmerlich. Und die Steuern für Arbeitnehmer nicht so hoch.

            Bei den Gütern, die meiner Einschätzung nach durch ein BGE stärker nachgefragt werden würden, kann man entweder das Angebot nicht einfach erhöhen (Benzin etc.), oder man braucht dafür genau mehr von der Arbeitskraft, die schon heute keiner gerne macht und die unter nahezu ausbeuterischen Bedingungen durchgeführt wird, um die Nachfrage zu befriedigen. Das ist keine Arbeit, die die Leute bei einem BGE freiwillig mehr machen würden.

            Und wenn die Gehälter in den Bereichen auf das Niveau steigen würden, was eigentlich angemessen wäre, dann könnten sich diese Produkte sowieso nur noch Superreiche leiste.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.