Häufige Irrtümer und Missverständnisse beim BGE – Inflation

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“Mit einem Grundeinkommen steigt die Inflation”

Inflation entsteht, wenn die Geldmenge steigt oder die Gütermenge zurück geht. Solange sich durch ein Grundeinkommen an beidem nichts ändert, entsteht auch keine Inflation. Eine Finanzierung durch Geld drucken wäre allerdings nicht nachhaltig. Das Geld für das Grundeinkommen muss immer an anderer Stelle eingenommen werden. Sei es durch Spenden wie bei “Mein Grundeinkommen” oder auch durch Steuern oder Abgaben von staatlicher Seite.

Ausnahme: Eine Ausschüttung von neu gedrucktem, zusätzlich von der EZB geschaffenem Geld könnte das Ziel haben, kurzfristig die Inflation zu steigern oder einer Deflation entgegenzuwirken. Allerdings ist das dann als einmalige Maßnahme gedacht und nicht mit einem dauerhaften Grundeinkommen zu vergleichen.

Die eigentliche Frage, die sich hier stellt, ist die Höhe des Grundeinkommens im Vergleich zu dem, was man davon kaufen kann. Dabei gilt es, die unterschiedlichen vorgeschlagenen Höhen sauber voneinander zu unterscheiden. Da sich durch verschiedene Steuerveränderungen auch die Preise ändern würden, sind konkrete Zahlen nur im Gesamtkontext zu verstehen und meistens nicht vergleichbar.

Bildquelle: http://www.thebluediamondgallery.com/typewriter/i/inflation.html

7 Kommentare

  1. Nur weil der Staat an jeden Einzelnen Geld verschenkt, ändert sich doch nichts an der Wirtschaftsleistung.
    Die Folge ist: Die Nachfrage steigt, infolgedessen steigen die Preise —> Inflation
    Oder anders ausgedrückt: das durchschnittliche Preisniveau steigt um den Betrag des monatlichen BGE.
    Wenn durch den Staat (Steuern und Abgaben) große Geldmengen dem Geldkreislauf entnommen werden, nicht ausgegeben werden und somit dem Verbraucher-Markt nicht zur Verfügung steht, hat dies einen deflationären Effekt. Umgekehrt gilt natürlich: öffnet der Staat die Schleusen seines Geldspeichers für den Privatkonsum jedes Einzelnen (BGE), wirkt dies auf dem Markt des Verbrauchers inflationär.

    Außerdem:
    Wenn das BGE eingeführt und alle anderen staatlichen Sozialleistungen gestrichten werden würden (um die Staatskosten auch durch Bürokratieabbau radikal zu senken), wäre es im Endeffekt doch genau das Gleiche, wie wenn man ohne BGE einfach alle staatlichen Sozialleistungen streicht.

    Denn die ersten 1000€ (Beispielbetrag für BGE), die dann am Monatsende auf das Konto gutgeschrieben werden würden, wären quasi wertlos.
    Geld (beddruckte Papierscheine) ist nichts anderes als eine Ware, welches aufgrund seiner physischen Eigenschaften (Teilbarkeit, Mobilität) als Tauschmittel und nur als das genutzt wird –> und wie bei jeder Ware gilt: Was nichts kostet, ist auch nichts wert (–> die wertlosen BGE-1000er). Geld ist nur etwas wert wenn es knapp ist und nicht wenn es JEDER geschenkt bekommt.
    Den Reichen ist das BGE ziemlich egal, die Abschaffung des Wohlfahrtsstaates bis auf das BGE wäre aber für die sozial Benachteiligten eine Katastrophe. Massenverelendung nie dagewesenen Ausmaßes wären die Folge.

  2. “Inflation entsteht, wenn die Geldmenge steigt oder die Gütermenge zurück geht. ”

    Richtig! Und es wird beides eintreten:

    Wenn das BGE finanziert wird durch höhere Besteuerung der Reichen z.b. durch Vermögenssteuer, wird die im Umlauf befindliche Geldmenge gesteigert.

    Anfangs (solange die Inflation noch nicht gezogen hat) haben die ärmeren Bürger mehr Geld zu Verfügung, welches sie erfahrungsgemäß direkt ausgeben. Die Güter werden knapper weil mehr eingekauft wird.

  3. Nur dadurch, dass die Menge an Geld, die irgendwo existiert, steigt, entsteht keine Inflation. Wenn ein Bäcker seine Brötchenpreise macht, rechnet er nicht aus, wie viel Geld Dagobert Duck im Geldspeicher hat und welchen Einfluss das auf den Wert des Euro hat – er schaut, wie viele Brötchen er hat, und wie oft Leute vorbeikommen und sie kaufen. Wenn er zu viele Brötchen hat, macht er sie billig, damit er möglichst viele los wird, wenn hingegen dauernd Leute kommen und Brötchen wollen und nach 10 Minuten schon alle weg sind, macht er sie lieber teurer.

    Letzteres passiert bei Inflation: Die entsteht nicht dadurch, dass Dagobert Duck viel Geld im Geldspeicher hat. Würde der Staat Geld Drucken und es Dagobert Duck geben, der nur knausert, würde es keinen Einfluss auf die Preise haben. Die Inflation entsteht dadurch, dass die Leute, die ihr Geld auch ausgeben, mehr Geld haben, wodurch die Nachfrage steigt, und damit die Preise. Und genau das könnte beim BGE passieren.

    Man müsste also ausführlich analysieren, wofür die Leute, die ihr BGE bekommen, das Geld ausgeben. Sind das Wirtschaftsbereiche, die gut mit steigender Nachfrage umgehen können und entsprechend skalieren? Wenn der Bäcker einen Brötchomat 3000 im Keller hat, mit dem er so viele Brötchen drucken kann wie der Staat Geld druckt, entsteht selbst dann keine Inflation, wenn der Staat Geld druckt (zumindest nicht bei den Brötchenpreisen).

    Das schwierigste daran dürfte sein, dass es mit einer Wirtschaftshandlung nicht zuende ist: Nehmen wir an, die BGE-Empfänger geben ihr Geld in einem Bereich aus der gut skaliert – der Bäcker mit seinem Brötchomat 3000. Dann hat plötzlich die gut skalierende Brötchenfirma viel mehr Geld. Und was macht sie damit? Vielleicht kauft sie sich davon ganz viel Gold? Das wäre nicht gut, denn Gold ist sehr begrenzt und man kann es nicht einfach schöpfen wenn die Nachfrage steigt. Es könnte also da noch viele Implikationen geben.

    BGE würde dann funktionieren, wenn die Nachfrage nur in Bereichen steigt, die gut skalieren, und dann auch die Unternehmen in diesen Bereichen ihr Geld entweder nur in Bereichen ausgeben, die gut skalieren, oder das Geld horten, oder man das Geld dort per Steuer wieder absaugen würde, bevor sie es in einem Wirtschaftssektor ausgeben, der die Nachfrage nicht decken kann.

    1. Es ist keineswegs gesagt, dass die Nachfrage insgesamt überhaupt steigt. Es könnte sein, dass in manchen Bereichen die Nachfrage steigt, wenn Armut reduziert wird. Die meisten Menschen werden aber mit einem Grundeinkommen insgesamt nicht mehr Geld in der Tasche haben, sondern ihr Geld nur aus zwei verschiedenen Quellen bekommen: Einen Teil als Grundeinkommen vom Staat und einen (geringeren) Teil vom Arbeitgeber. Insgesamt wird es schwierig sein, die verschiedenen Wechselwirkungen vorab zuverlässig zu simulieren. Besser wäre es, sich Schrittweise in Richtung Grundeinkommen zu bewegen und währenddessen verschiedene Stellschrauben (zB Steuern) zu haben, mit denen auf die tatsächliche Entwicklung reagiert werden kann.

      1. Das schreibe ich ja: Es ist nicht gesagt und müsste analysiert werden. Die Frage ist: Wenn die Nachfrage bei den armen steigt, wo sinkt sie? Reiche geben ihr Geld eh nicht aus, wenn die höher besteuert werden, wird das kaum groß zu Reduzierung der Nachfrage führen.

        Mit meinem Beitrag wollte ich allerdings vor allem aussagen, dass die “Nachfrage insgesamt” überhaupt nicht entscheidend ist. Man muss das ganze differenzierter betrachten: Wenn die Nachfrage in einem Bereich steigt, kann das zu einer Inflation in genau dem Bereich führen. Es sei denn, der Bereich skaliert mit der Nachfrage. Aber selbst das heißt nicht, das alles gut ist: Denn durch die erhöhten Umsätze und Ausgaben der Unternehmen in diesem Bereich, der für sich gut skaliert und keine Inflation verursacht, könnte es zu noch mehr Nachfrage in anderen Bereichen kommen, die nicht gut skalieren (mein Beispiel im letzten Beitrag war Gold, in echt könnte es irgendwas anderes sein). Das müsste man IMHO alles gründlich analysieren und erforschen, bevor man die Sorge um die Inflation als “Irrtum” abtun kann.

        1. Ein Irrtum ist es, wenn man denkt, dass das Grundeinkommen aus dem Nichts kommt und die Nachfrage “um das Grundeinkommen” steigt.

          Jede Maßnahme die Nachfragesteigernd wirkt trägt zum Wirtschaftswachstum bei, das ist bisher gerne so gewollt. Das gilt das für eine Erhöhung des Mindestlohns genauso wie für eine Erhöhung der Grundsicherung oder auch eine Steuerreduzierung. Das Grundeinkommen ist da nicht anders

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