Interdisziplinäre Konferenz zum Grundeinkommen in Freiburg

An zwei goldenen Oktobertagen trafen sich rund 50 Wissenschaftler und akademisch Interessierte am Fuße des Schwarzwaldes, um über das Bedingungslose Grundeinkommen und die Euro-Dividende zu diskutieren und sich auszutauschen. Eingeladen hatten Prof. Bernhard Neumärker, Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik und Ordnungstheorie an der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg, und Prof. Sascha Liebermann von der Alanus Hochschule.

In der ersten Session machte Malcolm Torry von der London School of Economics auf kurzweilige Art und Weise den Unterschied zwischen der Grundsätzlichen Idee des Grundeinkommens und seinen einzelnen Modellen deutlich. Viel Kritik am Grundeinkommen beziehe sich eigentlich auf bestimmte Modelle und sei dort zum Teil auch berechtigt. In der Grundeinkommens-Diskussion wird die Tatsache, dass der jeweilige Kritikpunkt vor allem bei einer spezifischen Grundeinkommens-Variante zum tragen kommt, allerdings zu wenig beachtet und nicht von der grundsätzlichen Idee unterschieden. Dasselbe gilt für die Machbarkeit, insbesondere die Finanzierbarkeit. Die Bezugnahme auf einzelne Modelle, in Verwechslung mit der prinzipiellen Idee, findet sich allerdings nicht nur bei BGE-Gegnern, sondern auch vielfach bei den Befürwortenden.

Nach intensivem Austausch beim Mittagessen erzählte Olli Kangas, der wissenschaftliche Leiter des Finnischen Grundeinkommens-Experiments, wie der Plan des Pilotprojektes in Finnland nach und nach zerstört worden war. Am Ende kam etwas dabei heraus, das mit der eigentlichen Idee nicht mehr viel zu tun hatte. Mit einer Liste von zehn Schritten der Zerstörung auf nationaler Ebene ließ er die Zuhörer an der Entwicklung teilhaben. Insbesondere das Hindernis der EU-Regulierung spielte am folgenden Tag bei der Diskussion um die Euro-Dividende zum wiederholten Male eine Rolle.

Die Vorträge wurden alle auf Englisch abgehalten und forderten damit den einen oder anderen etwas heraus. Dennoch war insbesondere die internationale Beteiligung ein großer Gewinn für die Konferenz und machte diese Mühe lohnenswert. Die Gespräche beim Kaffee oder abendlichen gemeinsamen Abendessen führten ebenso zu einem intensiven Austausch wie diverse Beiträge auf der Basis von Doktorarbeiten oder zivilgesellschaftlichen Überlegungen. Insbesondere die Interdisziplinarität wurde dabei von allen als fruchtbare Bereicherung empfunden.

Einen für einige Zuhörer noch neuen Blickwinkel brachte Antje Schrupp ein mit ihrem Input zum Zusammenhang von Grundeinkommen und Care Revolution.

Der zweite Tag wurde von Philippe van Parijs eingeleitet mit einer Argumentation für eine Euro-Dividende. Derselbe Referent stellte dann nach weiteren Detailbeiträgen eindrücklich heraus, wie wirksam die Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen war. Sowohl die fast klassisch-ökonomische Argumentation von Bernhard Neumärker als auch die ökologische Perspektive von Ulrich Schachtschneider flossen direkt in den Abschlussvortrag von Philippe mit ein.

Der Gast mit der weitesten Anreise, Peter Brake aus Neuseeland, Steuerberater und Teil der outreach Group von BIEN stellte sowohl die Finanzierbarkeit einer Euro-Dividende als auch einen Tool zur politischen Überzeugungsarbeit vor.

Der herzliche Freiburger Gastgeber lud die Teilnehmenden nicht nur ein, sich per E-Mail und über Paper miteinander zu vernetzen, sondern stellte auch weitere Konferenzen dieser Art in Aussicht: Ein wichtiger Beitrag zur akademischen Bearbeitung des Grundeinkommens in Europa und auch darüber hinaus.

 

2 Gedanken zu „Interdisziplinäre Konferenz zum Grundeinkommen in Freiburg“

  1. Wo ist diese Liste von olli Kangas, die die Grundidee so aufweicht, das si nichtt mehr erkennbar ist ?
    Ich möcht die in unserem Gesprächskreis in Dortmund behandeln.

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