gebraucht werden

Es geht um das “gebraucht werden”. Das ist eines der Themen, die bei der Diskussion um das Bedingungslose Grundeinkommen mitschwingen. Wenn es um Digitalisierung und damit verbundene Veränderungen in der Arbeitswelt geht, reicht es nicht darauf zu verweisen, dass jede industrielle Revolution nicht nur Arbeitsplätze verloren, sondern immer auch neue geschaffen hat. Industrie 4.0 ist eine andere Qualität, auch wenn viele vor allem ältere Politiker das noch nicht wahr haben wollen. Unternehmer und jüngere Mitarbeiter wissen sehr genau, worum es dabei geht. Und nicht ohne Grund setzen sich beide Gruppen zunehmend für ein Grundeinkommen ein, wenngleich auch nicht alle für ein bedingungsloses, so wie Joe Kaeser von Siemens.

„gebraucht werden“ weiterlesen

Die Schwester des Grundeinkommens

Der Unternehmensberater Frederic Laloux hat ein Buch geschrieben über seine mehrjährige Recherche zu nicht-hierarchisch arbeitenden Unternehmen und Institutionen. Es heißt: „Reinventing Organisations“ und es hat bei mir eine ähnlich starke Resonanz erzeugt wie die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Wie zwei Schwester-Ideen, die sich gegenseitig Inspiration und Grundlage sind. Beide haben mit dem Thema „Arbeit“ zu tun und es scheint, dass dieses Thema immer mehr zu einem Transformationspunkt für unser Bewusstsein wird.

„Die Schwester des Grundeinkommens“ weiterlesen

Wer will, findet Wege, wer nicht will, sucht Gründe

Es gibt Menschen, die wollen ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Nicht nur für sich selbst, sondern für alle in der Gesellschaft. Diese Leute suchen und finden Wege. Der eine schließt sich einer Bürgerinitiative an, der nächste startet eine Petition im Bundestag, wieder andere schreiben Bücher, Blogs oder Zeitungsartikel zu dem Thema. Es gibt ein Startup, welches Grundeinkommen verlost und das Geld dafür per Crowdfunding sammelt. Es gibt Feldversuche der Politik. Volksabstimmungen (leider nicht in Deutschland). Radiobeiträge, Filme, Vorträge, Demos. Immer wieder Parteien, die sich dafür einsetzen wollen oder sogar eigens dafür gegründet werden, so wie das Bündnis Grundeinkommen. Und noch vieles mehr.  

„Wer will, findet Wege, wer nicht will, sucht Gründe“ weiterlesen

Angst

Zu viel Angst macht krank. Seelisch und körperlich. Von den Rückenschmerzen bis zur Depression, Herzinfarkt oder Magengeschwür, Übergewicht oder Substanzmissbrauch. Nicht immer direkt, aber sehr oft indirekt. Denn sehr viele Krankheiten werden durch mangelnde Selbstfürsorge (mit) verursacht, manche auch durch selbstschädigendes Verhalten. Und dabei spielt die Angst oft eine wichtige Rolle. Warum? Ich suche nicht nach Schuld. Weder im Einzelnen noch im Gesamten. Doch ich suche nach Ursachen. Und wenn ich die Menschen frage, warum sie nicht liebevoller mit sich selbst (Körper, Seele und Geist) umgehen, dann finde ich als Ursache sehr oft Angst. Angst davor nicht zu genügen, nicht geliebt zu werden. Angst vor Ausgrenzung, Einsamkeit, Armut, auch Angst vor dem Tod.
„Angst“ weiterlesen

Emanzipation für Alle

Am Dienstagabend wurde in der Phoenix-Runde über das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) debattiert. Dabei wurde das Argument genannt, dass BGE sei ungerecht für Singles. Denn wenn die dann alleine von beispielsweise 1000 Euro zu leben hätten, stände eine 5-köpfige Familie mit 5x BGE deutlich besser da. Das ist nicht ganz falsch, selbst wenn die meisten Modelle nur mit einem halben BGE für Kindern rechnen. Dann hätte diese Familie schon 3500 Euro nur durch das Grundeinkommen, Zuverdienst frei möglich.

„Emanzipation für Alle“ weiterlesen

Das Bedingungslose Grundeinkommen als Gesundheitsprogramm

Die Kosten im Gesundheitswesen steigen, die Versorgung mit spezialisierten und technischen Leistungen ist im Vergleich mit anderen Ländern sogar sehr gut, und trotzdem sind viele nicht zufrieden und vor allem nicht gesund. Es fehlt an Menschlichkeit. Es fehlt an Vorsorge im Sinne eines gesunden Lebenswandels. Die hausärztliche Versorgung leidet unter der zunehmenden Ökonomisierung, die Folgen sind wenig Zeit für die Patienten, schlechte Medizin und Ärztemangel. Auf dem Lande wird zunehmend nur noch Notstand verwaltet, fernab von Menschenwürde auf beiden Seiten, bei Patienten und Mitarbeitern des Gesundheitssystems.

„Das Bedingungslose Grundeinkommen als Gesundheitsprogramm“ weiterlesen

Das Bedingungslose Grundeinkommen stellt die Machtfrage

Beim bedingungslosen Grundeinkommen geht es viel weniger um Geld als eigentlich um Macht. Und um Freiheit. Und Freiheit entsteht durch Vertrauen. Durch gegenseitiges Zutrauen. Eine gewaltsame Revolution entsteht aus Wut und aus dem Wunsch, vieles zu ändern. Ein bedingungsloses Grundeinkommen entsteht auch aus dem Wunsch, etwas Grundlegendes zu ändern, aber statt Wut ist die Grundlage Vertrauen. Im Moment basiert unsere Gesellschaft auf Misstrauen. Und im Sinne einer selbst-erfüllenden Prophezeiung verhalten sich die Leute dann eigennützig und missgünstig.

„Das Bedingungslose Grundeinkommen stellt die Machtfrage“ weiterlesen

Wege in eine nachhaltige Gesellschaft

Wenn Wachstum nicht die Lösung ist, sondern das Problem. Wie können wir uns von einer Bedarfsweckungsgesellschaft (zurück) zur Bedarfsgesellschaft entwickeln?

Natürlich gibt es noch Mangel, das möchte ich gar nicht bestreiten. Aber es gibt unverkennbar auch eine Menge Überfluss. Vielen Waren werden angepriesen durch massive Marketingstrategien, obwohl sie eigentlich keiner wirklich braucht. Die Werbung bringt uns alle mehr oder weniger dazu es haben zu wollen, aber Brauchen, im Sinne von einer Steigerung der Lebensqualität, echtem Benötigen, tun wir davon eigentlich nur das Wenigste.

„Wege in eine nachhaltige Gesellschaft“ weiterlesen

Das Beste, was wir machen können

Finnland probiert, Davos und Silicon Valley diskutiert, in Frankreich hat der französische Präsidentschaftskandidat  Benoit Hamon mit dem Thema „bedingungsloses Grundeinkommen“ gerade die Vorwahlen der Sozialisten gewonnen.

Nach der Volksabstimmung zum Grundeinkommen in der Schweiz wollen viele Leute auch eine Volksabstimmung in Deutschland. Dies ist aber in Deutschland bisher (und absehbar) noch nicht möglich.

„Das Beste, was wir machen können“ weiterlesen

Gönnen können

“Man muss auch mal nen Job annehmen den man nicht mag, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.” Ein Satz den ich in der Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen immer wieder höre.

Dazu fällt mir zweierlei ein. Zum einen geht es um den Kompromiss, ob man für eine bestimmte Summe Geld bereit ist einer vielleicht ungeliebten Tätigkeit nachzugehen, um sich dann etwas leisten zu können, was man sich sonst nicht kaufen könnte. Diesen Kompromiss wird man auch mit Grundeinkommen noch machen. Nur das man eben nicht mehr unter Androhung von Verlust der Würde und Existenz dazu gezwungen werden kann, einer solchen Arbeit/Aufgabe nachzugehen.

„Gönnen können“ weiterlesen

Brücken in eine neue Welt

Wir schreiben das Jahr 2040. Die UNO Präsidentin schaute aus dem Fenster des UNO Gebäudes und schaute in die erwartungsvollen Augen ihrer 17 Jahre alten Tochter. „Du möchtest wissen, wie alles anfing. Wie das BGE überall auf der Welt eingeführt wurde?“ Die Präsidentin ließ ihren Blick schweifen zu dem in der ferne liegenden Gebirge und fing an zu erzählen. „Brücken in eine neue Welt“ weiterlesen

Obwohl man Geld nicht essen kann

Wir alle brauchen Essen. Gutes Essen. Ich wünsche mir eine Welt in der alle Menschen echten Zugang zu gutem Essen haben.

“Die Zukunft der Ernährung liegt bei den ökologischen Kleinbauern”

„Obwohl man Geld nicht essen kann“ weiterlesen

Meine Perspektive auf das Grundeinkommen

Ich möchte Euch an dieser Stelle einen kleinen Einblick geben, was mich zum Grundeinkommen führt. Dafür möchte ich mit ein paar Beispielen aus meiner täglichen Praxis anfangen:

Ein 35-jähriger Mann, Waschmaschinenmonteur, hat kaputte Knie, eigentlich müsste er eine Umschulung machen und den Beruf wechseln. Aber er hat eine Familie und die könnte er dann nicht mehr ernähren. Also macht er weiter, bis die Knie ganz kaputt sind, landet früher oder später im Krankengeld, nimmt Schmerzmittel und kann seinen Freizeitbeschäftigungen nicht mehr nachgehen. Mit Grundeinkommen wäre das nicht passiert.  „Meine Perspektive auf das Grundeinkommen“ weiterlesen

Bedingungsloses Grundeinkommen als institutionalisierte bedingungslose Liebe

Ein Vortrag von der Ärztin und Bloggerin Baukje Dobberstein im Rahmen einer Infoveranstaltung zum Grundeinkommen am 31.3.17 in Hannover.

Die Text-Grundlage dazu gibts hier: http://wp.me/p8B7Z7-1S

Selbstbestimmt arbeiten

Arbeit ist ein Menschenrecht. Wir alle wollen arbeiten. Wer nicht arbeiten will, ist krank. Wer nicht arbeitet, wird krank.

Arbeit bestimmt unser Leben. Arbeit ist ein Teil unserer Identität. 

Klingt provokativ? Vielleicht, ist es aber eigentlich nicht, bei genauerer Betrachtung. Als ersten wichtigen Punkt möchte ich klarstellen, dass ich allgemein von Arbeit spreche, nicht (nur) von Erwerbsarbeit. „Selbstbestimmt arbeiten“ weiterlesen

Antwort auf “süßes Gift”

Meine Antwort auf http://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-suesses-gift-1.3367355

Sehr geehrte Frau Hassel,

Sie beschreiben in Ihrem Artikel sehr schön anschaulich die Vorteile des Bedingungslosen Grundeinkommens. Doch leider argumentieren Sie damit, es sei trotz allem eine Sackgasse. Deswegen möchte ich kurz auf Ihre Kritikpunkte eingehen:

  1. Sie beschreiben, dass es gut sei, für die sogenannte Mittelschicht, sich frei entfalten zu können. Dem stimme ich zu. Warum das allerdings nur für die Mittelschicht gelten solle, erschließt sich mir nicht. Der Punkt, dass junge Menschen „aus der benachteiligten Hälfte der Gesellschaft“, wie Sie sie nennen, weniger motiviert seien, etwas Sinnvolles aus ihrem Leben zu machen, zeugt von elitärer Überheblichkeit sondergleichen. Intrinsische Motivation ist psychologisch gut belegt, und zwar für ALLE Menschen. Die Effekte, die Sie vielleicht meinen und heutzutage leider zu beobachten sind, beruhen wohl eher darauf, dass viele aktiv davon abgehalten werden, sich selbst zu verwirklichen. Durch Drangsalierungen des Jobcenters, durch ungerechte Behandlung in den Schulen und auf dem Arbeitsmarkt und, ja auch das, auch durch schlechte Vorbilder. Ein Grundeinkommen hingegen würde Kinderarmut reduzieren, die Bildungschancen damit für alle verbessern und auch eine längere Ausbildung/Studium für die ermöglichen die keinen finanziellen Background vom Elternhaus haben.
  1. Sie sprechen dem Bedingungslosen Grundeinkommen die Gesellschaftliche Legitimation ab. Das würde ich die Bevölkerung lieber selbst entscheiden lassen. Ihrer Meinung nach ließe es sich mit dem Gerechtigkeitssinn der Mitte nicht vereinbaren, obwohl das ja genau die sind, die Ihrer Meinung nach davon am meisten profitieren (s. Argument 1). Widersprechen Sie sich da nicht vor allem selbst? Wie viel Umverteilung wir wollen und wie ein Grundeinkommen finanziert würde, sind wichtige Fragen, die gestellt werden müssen. Klar sollte sein, dass es prinzipiell ginge und eben eine Frage der politischen Willensbildung ist. Das vorab über die Köpfe hinweg schon sagen zu wollen, empfinde ich ebenfalls als sehr von oben herab. Aus meiner Sicht profitieren alle von einer gesünderen und gerechten Gesellschaft, allein schon, weil es schöner ist darin zu leben. Aber es gibt natürlich noch viel mehr Gründe und auch dafür sind viele der Menschen, mit denen ich gesprochen habe aufgeschlossen. Das Ideal eines frei denkenden Bürgers, dessen Existenz in Zeiten des Überflusses nicht wirklich bedroht sein müsste, ist trotz vielen Jahren Neoliberaler Wirtschaftspolitik noch nicht ganz abhandengekommen.
  1. Eine Zuwandungsgesellschaft von der ich mir wünschen würde, dass wir es immer mehr werden, braucht Integration. Auch darin stimme ich Ihnen zu. Ich möchte aber zu bedenken geben, dass das Gegenteil von Erwerbsarbeit nicht zwingend zuhause bleiben ist. Die meisten Geflüchteten hingegen suchen händeringend nach sinnvollen Aufgaben und Kontakt, obwohl sie (erstmal) nicht Erwerbsarbeiten dürfen, nach heutigem Stand des Gesetzes. Mit einem Grundeinkommen gäbe es viel mehr Möglichkeiten und Freiräume, sich außerhalb des klassischen Erwerbslebens zusammen zu tun, zu engagieren und auch zu integrieren. Die sozialen Beziehungen zwischen den Menschen profitieren eigentlich immer davon, wenn sie von gegenseitigem Konkurrenzdruck um einen Arbeitsplatz befreit werden.
  1. Auch Sie wünschen sich eine Debatte um eine gute Gesellschaft und darum, wie Arbeit in der Zukunft bewertet werden kann, abseits der Einteilung in Erwerbs- und notwendiger nicht honorierter Arbeit. Die Fragen, wie mit zunehmender Automatisierung und Digitalisierung umgegangen werden soll bei gleichzeitigem Anstieg des Bedarfs in der un- oder unter-bezahlten Care-Arbeit bleiben von Ihnen an dieser Stelle leider unbeantwortet. Meine Antwort drauf ist das Bedingungslose Grundeinkommen. Was damit wirklich alles passiert, kann keiner Vorhersagen. Aber wir sollten es wenigstens probieren.